Rezension Veit Heinichen - Scherbengericht

"Scherbengericht" ist mittlerweile der zehnte Krimi, den Veit Heinichen in seiner Wahlheimat Triest mit dem sympathischen  Commissario Proteo Laurenti als Hauptfigur spielen lässt. Wer die früheren Romane nicht kennt,  braucht sich aber keine Sorgen zu machen: Die Geschichte lässt sich tadellos ohne Vorkenntnisse lesen - höchstens der eine oder andere Aha-Effekt wird einem entgehen :).

Zum Inhalt:


Vor Jahren wurde Aristèides Albanese wegen Totschlags verurteilt, zwölf Zeugen sagten damals einhellig aus, dass er die Tat begangen hat. Nun hat er 17 Jahre abgesessen und ist wieder in Freiheit. Aber ging wirklich alles mit rechten Dingen zu? Auf einmal ist einer der Zeugen tot, offensichtlich vergiftet. Proteo Laurenti ermittelt - und stößt nicht nur in der Vergangenheit auf Ungereimtheiten ...

Meine Meinung:


Ich weiß gar nicht mehr, wann mir das erste Buch dieser Krimireihe zum ersten Mal in die Hand fiel. Auf jeden Fall ist es schon eine ganze Weile her ... Jedes neue Buch fühlt sich daher mittlerweile fast ein bisschen wie ein literarisches Heimkommen an, wie eine warme gemütliche Decke, die man sich nach langer Zeit endlich wieder einmal überziehen kann ...

In seinem neuen Buch bleibt Heinichen seinem gewohnten Schema treu, wie üblich verwebt er den Krimi mit sozial- und gesellschaftskritischen Kommentaren, für die er auch außerhalb seiner Bücher bekannt ist. Man merkt ihm an, dass er mittlerweile schon recht lange in Triest lebt und sich auch mit der Geschichte der Stadt auseinandergesetzt hat.

Obwohl der Klappentext suggeriert, dass sich die Handlung hauptsächlich auf Aristèides konzentriert, kommt zu Beginn der Geschichte gleich einmal eine englische Reederin griechischer Herkunft zu Tode. Ist sie vom Balkon ihres Hauses gefallen oder wurde sie gestoßen? Laurenti wird wieder einmal in wirtschaftlich-politische Interessen hineingezogen, die er eigentlich gar nicht verfolgen mag.

Gleichzeitig begleiten wir Aristèides bei seinen ersten Unternehmungen in Triest und es wird schnell klar, dass sich der Mann auf einem Rachefeldzug befindet. Aber was genau hat er vor? Will er die zwölf Personen, die vor 17 Jahren gegen ihn falsch ausgesagt haben, wirklich töten? Oder ihnen nur einen Denkzettel erteilen? Das bleibt im Verhältnis relativ lange im Dunkeln.

Da Aristèides Koch war, gedenkt er auch in der Gegenwart ein kleines Lokal zu eröffnen, um sich und seinen Partner Aahrash, einen Pakistaner, durchzubringen. Heinichen nutzt diese Gelegenheit, immer wieder über die triestinische Küche zu schreiben ...

Woher der Autor seine Inspiration dafür bezieht, ist nicht schwer nachzuvollziehen, wenn man weiß, dass er mit Amy Scabar, einer triestinischen Haubenköchin, zusammen ist. Ich kann daher nur sagen, besser nicht lesen, wenn man hungrig ist, es läuft einem sonst nur das Wasser im Mund zusammen :D.

Zum Ende: Dass Heinichen nicht immer ein "rundes" Ende schreibt, weiß ich noch von früheren Büchern. Trotzdem hatte ich dieses Mal das Gefühl, dass er fast ein bisschen zu rasch aus der Geschichte aussteigt, dass viele Fragen offen bleiben, viele angerissene Dinge nicht mehr aufgegriffen werden. Da hätte ich gerne noch ein paar Seiten mehr gelesen.

Mein Fazit:


"Scherbengericht" ist ein typischer Heinichen. Wer sich hier einen klassischen Krimi-Plot erwartet, wird bestimmt ein wenig enttäuscht werden. Wer aber auch Triest auf unterhaltsame Art kennenlernen will, etwas über die Problem wissen möchte, mit denen die Stadt heutzutage zu kämpfen hat, ist mit dem Buch sicher gut bedient.

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