24. Mai 2017

Rezension Kendare Blake - Der schwarze Thron "Die Schwestern"

Wer nur ein klein bisschen in den letzten Wochen in den sozialen Netzwerken unterwegs war, konnte an diesem Buch eigentlich nicht vorbei kommen. Eine ausgedehnte Bloggeraktion hat dafĂŒr gesorgt, dass das Buch einen guten Monat vor dem Erscheinunsdatum der Print-Ausgabe fast tĂ€glich im GesprĂ€ch war ... Grund genug, um es im Rahmen einer #BBFliest Leserunde ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen :).

Zum Inhalt:


Auf der Insel Fennbirn wachsen die Drillinge Arsinoe, Katharine und Mirabella getrennt voneinander auf. Jede der drei hat eine bestimmte Gabe, die sie bis zu ihrem sechzehnten Geburtstag perfektionieren muss. Der Grund dafĂŒr ist, dass nur eine von ihnen Herrscherin der Insel werden kann - und dazu ihre beiden Schwestern töten muss ...

Meine Meinung:


Ich gebe zu, dass meine Erwartungen trotz des Werbedauerfeuers nicht besonders hoch waren. Warum? Weil ich mir im Vorfeld einige der Rezensionen auf Goodreads zu diesem ersten Teil einer Tetralogie durchgelesen habe. Dort konnte man sich ein recht gutes Bild machen, was einen erwarten wĂŒrde. Trotzdem habe ich der Leserunde zugestimmt, weil sich die Geschichte eigentlich interessant anhörte und wer weiß? Ich freue mich immer darĂŒber, positiv ĂŒberrascht zu werden.

Der Anfang war auch wirklich stark, wow! Was Katharine da als Angehörige des Giftmischer-Clans mitmachen muss, ist schon ziemlich starker Tobak, mit dem ich nicht unbedingt gerechnet hatte. Schon gar nicht in einem Jugendbuch ... Die ersten 60 Seiten flogen damit nur so dahin - aber dann: der große DĂ€mpfer!

Was wirklich spannend begonnen hatte, entwickelte sich zu einem sanften DahinplĂ€tschern, das mit der Zeit immer langweiliger wurde. Jede der drei zukĂŒnftigen Königinnen wird mit ihrem Umfeld ausfĂŒhrlich vorgestellt - und auch der Liebe wird ein sehr, sehr großes Feld eingerĂ€umt. Das nahm mir leider nach dem starken Anfang recht schnell die Spannung raus und ich fragte mich immer öfter, wo denn die vielbeworbene dĂŒstere AtmosphĂ€re geblieben wĂ€re ... Stattdessen bekam ich viel (Liebes)GeplĂ€nkel, einen Hauch Sex, ein kleines bisschen Intrigen - und das war's auch schon.

Beworben wird das Buch außerdem mit dem Etikett "High Fantasy". Auch wenn ich nun nicht die große Fantasy-Leserin bin, bin ich mir nicht sicher, ob diese Geschichte wirklich High Fantasy entspricht. DafĂŒr tauchen einfach viel zu viele "irdische" Dinge auf, beispielsweise wird Champagner getrunken, sehr reale Tiere wie Mittelmeerskorpione, Korallenottern oder Pumas werden immer wieder erwĂ€hnt.

Überhaupt hatte ich beim Lesen immer wieder Probleme, die Geschichte einzuordnen. Sowohl indianische, keltische als auch französische Kultur-Eigenheiten werden bunt miteinander vermischt, bis ich mich am Ende gefragt habe, bei welchen Vorbildern sich die Autorin nicht bedient hat. Beltane, die Göttin und die Insel, die im Nebel liegt, erinnerten mich beispielsweise an vielen Stellen an Marion Zimmer-Bradleys Avalon-Reihe ...

Der recht einfache Schreibstil ist im PrĂ€sens gehalten, was fĂŒr einen Fantasy-Roman doch eher ungewöhnlich ist. Die Perspektive wĂ€chselt dabei immer wieder zwischen den Erlebnissen der drei MĂ€dchen hin und her. Die ErzĂ€hlweise in der dritten Person habe ich anfangs begrĂŒĂŸt, spĂ€ter allerdings nicht mehr, da sie mehr und mehr verhinderte, dass ich eine engere Beziehung zu den MĂ€dchen aufbauen konnte.

Keine der drei wuchs mir beim Lesen wirklich ans Herz, die Nebenfiguren blieben bis auf einige wenige sehr blaß. Daher hatte ich auch immer wieder Schwierigkeiten, einige der Namen entsprechend zuzuordnen - was mir normalerweise eigentlich nach dem ersten Drittel eines Romans nicht mehr passiert.

Dies fĂŒhrte leider auch dazu, dass mich das Buch im letzten Viertel, wo es tatsĂ€chlich wieder etwas spannender wurde, ĂŒberhaupt nicht mehr abholen konnte. SelbstverstĂ€ndlich endet das Buch mit einem Cliffhanger, der von der Art her einem Buch des New Adult-Genres entnommen sein könnte: Rasch eingeleitet, wirft er eben mal einiges ĂŒber den Haufen - und dann Ende, um den Leser zu animieren, sich auch den nĂ€chsten Band zu kaufen.

"Der schwarze Thron" ist fĂŒr mich somit der klassische Fall einer Mogelpackung, ein Buch, das mehr verspricht, als es halten kann. Vielleicht schafft es die Autorin, in den kommenden Romanen dieses Versprechen einzulösen - im Moment sieht es aber nicht so danach aus, als ob ich die drei Königinnen weiter auf ihrer Reise begleiten werde.

Mein Fazit:


Ich habe mir definitiv mehr von diesem Buch erwartet. Die Inhaltsangabe verspricht einen dĂŒsteren und spannenden Fantasy-Roman, der Leser bekommt aber die meiste Zeit etwas ganz anderes vorgesetzt. So ist "Die Schwestern" bestenfalls als Vorgeschichte, als Auftakt zu sehen zu dem, was vielleicht in den drei FolgebĂ€nden noch kommen wird ...

  • ★★★★★
  • Paperback, Klappenbroschur
  • 448 Seiten
  • Penhaligon
  • 978-3764531447

6 Kommentare

  1. Eigentlich hatte das Buch mich schon interessiert ... Wie gut, dass ich es bis jetzt gelassen habe ^^. Und wieder etwas wertvolle Zeit gespart.
    Es ist immer schade, wenn sich ein Buch auf dem Umschlag so gut anhört, und alles Potential dann vertan wird.

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    1. Hi Tallianna!

      Die Meinungen fallen bis jetzt ja recht unterschiedlich aus, was ich gesehen habe :). Es ist halt die Frage, was man sich wirklich von diesem Buch erwartet ... Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass hier besonders durch den Klappentext falsche Erwartungen geweckt werden.

      Liebe GrĂŒĂŸe
      Ascari

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  2. Hallo,

    Das Buch hat mich von Cover, Titel und KT sehr angesprochen, aber ich war unschlĂŒssig ob ich es wirklich brauche. Naja, brauchen sowieso nicht haha aber haben wollen gg jedenfalls bin ich jetzt sicher das ich es nicht sofort lesen muss. Ich warte erstmal die FolgebĂ€nde ab und schau wie da die Rezensionen ausfallen. Danke fĂŒr deine ehrliche Meinung!

    LG Sonja BĂ©land

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    1. Hey Sonja :)

      Wenn du dir nicht sicher bist, ist das sicher eine gute Strategie :). Gerade dem Klappentext darf man hier meiner Meinung nach aber nur bedingt vertrauen, man bekommt jede Menge anderen Inhalt als den, der im KT angekĂŒndigt wird ...

      Liebe GrĂŒĂŸe
      Ascari

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  3. Tolle & ehrliche Rezension, die mich trotz zahlreicher Kritikpunkte neugierig stimmt :)

    Liebe GrĂŒĂŸe,
    Nicci

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    1. Liebe Nicci,

      vielen Dank fĂŒr das Kompliment! Es tut nach den vielen Diskussionen in letzter Zeit wirklich gut, wenn man lesen darf, dass (Buch)Kritik auch geschĂ€tzt wird ...

      WĂŒnsch dir auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen, falls "Der schwarze Thron" seinen Weg zu dir findet!

      Liebe GrĂŒĂŸe
      Ascari

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