8. April 2017

Rezension Erin Watt - Paper Princess

An diesem Buch derzeit vorbeizukommen, f├Ąllt echt schwer. Kunstst├╝ck bei dem Hype, der um die (Noch)Trilogie gemacht wird. Ein Grund mehr, in einer gemeinsamen #bbfliest Leserunde das Buch genauer unter die Lupe zu nehmen (Das Ergebnis k├Ânnt ihr ├╝brigens hier auf Storify genauer nachlesen).

Zum Inhalt:


Die 17j├Ąhrige Ella schl├Ągt sich nach dem Tod ihrer Mutter allein durchs Leben durch. Um finanziell ├╝ber die Runden zu kommen, strippt sie in einschl├Ągigen Bars, ehe Callum Royal - bester Freund ihres verstorbenen Vaters - sie als ihr Vormund nicht ganz freiwillig zu sich holt.

In der noblen Villa lernst sie Callums f├╝nf S├Âhne Gideon, Reed, Easton, Sebastian und Sawyer kennen. Obwohl sich das neue Leben f├╝r Ella nicht wirklich als Zuckerschlecken entpuppt, ist Ella fest entschlossen, die Zeit zu nutzen, um ihren Schulabschluss zu machen ...

Meine Meinung:


Schon als Paper Princess als Print-Ausgabe erschien, habe ich mal dank der Leseprobe online in das Buch reingelesen ... Und bereits der Anfang mit Ellas Leben als Stripperin bescherte mir ein  Aufw├Ąrmtraining f├╝r meinen Augenroll-Nerv. Gibt es wirklich nichts anderes, um als Minderj├Ąhrige nach der Schule Geld zu verdienen, um Arztrechnungen oder die Miete zu bezahlen? Und so jagt ein merkw├╝rdiges Detail das n├Ąchste, je weiter man sich in diese Geschichte vorantastet.

Am Ende habe ich aufgeh├Ârt zu z├Ąhlen, wie oft ich bestimmte Dinge einfach nicht verstanden habe. Ganz egal ob es um ihre nat├╝rlich supertoll und hei├č aussehenden neuen Br├╝der, den Vater, die Freundin des Vaters oder ihre neuen Schulkollegen geht: Alle verhalten sich Ella gegen├╝ber mies. Die Br├╝der, die Ella am liebsten gleich wieder loswerden wollen, der Vater, der Ella mit einer Entf├╝hrung gleich am Anfang zu ihrem Gl├╝ck zwingt, die Freundin des Vaters, die die S├Âhne vor Ella begrapscht, und die neuen Schulkollegen, die Ella am liebsten gar nicht an der Schule haben wollen - alle haben irgendwie einen an der Waffel.

Als Persiflage k├Ânnte das alles, gespickt mit jeder Menge Klischees, ja noch witzig sein, aber meiner Meinung nach versucht dieses Buch tats├Ąchlich, sich ernstzunehmen. Und unter diesem Gesichtspunkt sind viele Dinge zu verurteilen, die in diesem Buch entweder angerissen oder verharmlosend beschrieben werden. Ich k├Ânnte hier jetzt viele Beispiele nennen, f├╝r mich pers├Ânlich am schlimmsten war allerdings [Spoiler]die versuchte Vergewaltigung von Ella mittels MDMA. Die einzige Konsequenz, die gezogen wird, ist ein Streich, den die Royals dem potenziellen Vergewaltiger spielen - weder werden die Erwachsenen verst├Ąndigt noch die Polizei informiert[/Spoiler].

Da wir uns auf Twitter zu dem Buch ausgetauscht haben, kam auch heraus, dass die ├ťbersetzung zum Teil einige sehr grobe Schnitzer enthielt. An einer Stelle fiel mir auch ein falscher Name auf. Der Stil generell ist eher leicht und locker, zum Teil im Deutschen in meinen Augen auch gewollt flapsig. Bestimmte Metaphern entlockten mir zum Teil sogar ein unfreiwilliges Grinsen, denn der Vergleich einer m├Ąnnlichen Eichel mit einer Kugel Eis - darauf muss man erst mal kommen.

Wer sich von diesem Buch au├čerdem eine Handlung erwartet, wird herbe entt├Ąuscht werden. Im Grunde ist es eine Aneinanderreihung an Szenen, wo man sich fragt, wozu man das eigentlich erz├Ąhlt bekommt. Abgesehen davon, dass ich mit der Zeit immer weniger nachvollziehen konnte, warum Ella auf Reed, den mit Abstand miesesten Typen der ganzen Familie, steht.

Ganz im Gegenteil: Je mehr von der Familie offengelegt wurde, desto mehr grauste es mir vor dieser Sippe. Jeder normal denkende Mensch w├╝rde sich hier fr├╝her oder sp├Ąter denken, dass es das ganze Geld nicht wert ist, das Callum gleich zu Beginn Ella anbietet.

Einziger Lichtblick war zumindest am Anfang Ella, da sie eigentlich nicht auf den Mund gefallen ist. Aber sobald es um Reed mit seinen k├Âstlichen Schr├Ągmuskeln und seiner goldbraunen Haut geht, reagiert sie wie ein sch├╝chternes, fast verschrecktes Huhn, das nicht mehr klar denken kann. Und wieder einmal musste ich mich fragen, was ist das blo├č f├╝r ein Frauenbild, wo es einzig und allein darum geht, dass M├Ąnner und Jungs Geld und gutes Aussehen haben und nat├╝rlich die Superstars im Bett sind?

Neben diesen ├äu├čerlichkeiten wies das Buch auch einen bemerkenswert hohen Level an Gewaltbereitschaft auf. Weder Ella noch die Royal-Jungs sind zimperlich, wenn es darum geht jemand anderen zu schlagen. Dass danach nicht einmal dar├╝ber gesprochen wird, warum es dazu kam, empfand ich wirklich als schlimm. Gewalt ist kein Weg - in keiner Form. In diesem Buch ist es aber ganz normal, sich zu pr├╝geln, um Probleme zu l├Âsen.

Noch ein paar Worte zum Schluss: Er ├╝berraschte mich nur bis zu einem gewissen Ma├č, denn auch dieses Buch folgt den mehr oder weniger ungeschriebenen Regeln, die Shades of Grey mit seinem Handlungsaufbau aufgestellt hat. Wer die B├╝cher gelesen hat, wird wissen, was ich meine.

Mein Fazit:


Mir erschlie├čt sich ehrlich gestanden ├╝berhaupt nicht, warum dieses Buch so viele positive Bewertungen bekommen hat. Viele moralisch und ethisch mehr als verurteilenswerte Dinge werden in diesem Buch verharmlost und nicht richtig gestellt. Man kann es daher drehen und wenden, wie man will, aber mir f├Ąllt tasts├Ąchlich niemand ein, dem ich dieses Buch empfehlen w├╝rde ...

Weitere Rezensionen:


J├╝rgen Albers
Monis Zeitreise
Laberladen.com
Kitsunes Welt der B├╝cher
I am Jane
B├╝cherverschlingen

  • ★★★★
  • Klappenbroschur
  • 384 Seiten
  • Piper
  • 978-3492060714

12 Kommentare

  1. Hallo liebe Ratte,

    das Buch liegt auch auf meinen SuB, durch den Hype kam es ohne gro├če Gedanken und Klappentext lesen zu mir und ich wei├č, dass dieser Fehler mir nicht noch einmal unterlaufen wird. Da ich das Buch zu Hause habe, werde ich es wohl lesen. Allerdings werde ich ohne gro├če Erwartungen an das Thema herangehen.
    Was ich jedoch schade finde ist, dass unter dem Deckmantel der Fiktion und der Aussage "Das ist doch alles nur Ausgedacht" scheinbar alles m├Âglich ist. Vielleicht sollte ich den Games of Thrones Effekt um den Shades of Grey Effekt erweitern, wobei die Gedanken dazu sich ja in eine sehr ├Ąhnliche Richtung drehten.

    #BBFliest hat mich schon vor so manchem Fehlkauf bewahrt und ich bin euch da wirklich dankbar f├╝r.

    Alles liebe

    Kani

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    1. Liebe Kani,

      ich habe mir eigentlich auch nicht viel erwartet, denn ich kannte einige der Rezensionen aus dem englischsprachigen Raum ... Aber manchmal macht es doch noch einen Unterschied aus, wenn man wei├č, was auf einen zukommt, und wenn man selbst liest, was da steht.

      Was bedeuten denn f├╝r dich Game of Thrones-Effekt bzw. Shades of Grey-Effekt? Die Namen klingen auf jeden Fall interessant :).

      #bbfliest: Bitte gerne ;)

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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  2. Huhu Ascari,
    ich liebe deine Verrisse und bewundere dich, dass du dir solche B├╝cher antust. Dieses Buch w├Ąre eh nicht bei mir eingezogen :)
    Liebe und sonnige Gr├╝├če
    Elena

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    1. Ach wei├čt du, wir BBFler haben mittlerweile einen Ruf zu verteidigen ;). Da liest man auch mal Dinge, die sonst wahrscheinlich au├čen vor bleiben w├╝rden ...

      Neee, Scherz beiseite, es geht mir eigentlich auch darum, ein bisschen am Ball zu bleiben, was derzeit so gelesen wird und mir ein eigenes Bild zu machen. Und ein Teil von mir hofft immer, dass er positiv ├╝berrascht wird, auch wenn ich mir nicht viel von einem Buch erwarte.

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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  3. Ich hab es gerade eben schon bei Gabi geschrieben, ich habe einfach kein Verst├Ąndnis f├╝r Autoren, die "Bad Guys" als tolle, hei├če, begehrenswerte Typen hinstellen. Nun ist zwar "Paper Princess" kein explizites Jugendbuch, aber in der Jugendbuchsparte finden sich ebenfalls genug Beispiele. Ich w├╝nsche meinen T├Âchtern jedenfalls kein Ar***loch als Freund.
    Und ich m├Âchte behaupten, der verborgene "weiche Kern", der nur von einer liebevollen, verst├Ąndnisvollen Frau gefunden werden muss und die daf├╝r einiges an Gewalt und Dem├╝tigung ertragen muss, ist reines Klischee.
    Danke f├╝r die Besprechung!
    LG
    Mona

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    1. Liebe Mona,

      ich bin pers├Ânlich auch kein Fan von den "Bad Guy"-Geschichten, daher finde ich es umso bedenklicher, dass seit "After Passion" (oder eigentlich schon seit SoG) immer wieder dieselbe Art Geschichte aus dem Zauberhut gezogen wird. Und ehrlich gestanden halte ich diesen "weichen Kern" f├╝r reine Erfindung. Soll nicht hei├čen, dass es Menschen gibt, die sich in dieser Hinsicht nicht ├Ąndern k├Ânnten, aber die Wirklichkeit sieht meistens nicht so aus, dass die Kerle wegen ihren Freundinnen zu Softies werden ... Daher finde ich es umso bedenklicher, dass einem diese Rollenbilder jetzt wirklich immer ├Âfter als Vorbilder vorgesetzt werden.

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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  4. Endlich mal eine negative Rezension zu dem Buch! Nicht, dass ich dir schlechte Lekt├╝re w├╝nschen w├╝rde, aber ich sehe dieses Buch ├╝berall und kann einfach nicht glauben, dass es so gut ist, wie es angepriesen wird.

    Manchmal hab ich auch nicht ├╝bel Lust, ein Buch einfach nur zu lesen, um es danach zu zerrei├čen :D.

    Ich kann diese Geschichten von Frauen, die beim Anblick eines hei├čen Typen gleich ihren gesunden Menschenverstand verlieren, ├╝berhaupt nicht nachvollziehen, vor allem nicht, wenn besagte Typen auch noch absolut unsympathisch sind.
    Traurig, dass gerade solche Geschichten momentan so beliebt sind. Und der Beweis daf├╝r, dass nicht nur M├Ąnner schuld an einem fragw├╝rdigen Frauenbild sind, sondern auch viele Frauen selbst eins erschaffen...

    Liebe Gr├╝├če,
    Charlie

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    1. Hi Charlie,

      wenn du dich zu den anderen Rezensionen durchklickst, die ich verlinkt habe, dann siehst du, dass auch andere das Buch nicht gut finden ;). Aber ich verstehe schon, was du meinst, es gibt wirklich rasend viele Leute, die dieses Buch gut finden - und das will mir pers├Ânlich ├╝berhaupt nicht in den Kopf.

      Dass Frauen dazu beitragen, dass dieses Frauenbild weiter besteht bzw. verbreitet wird, halte ich ehrlich gestanden auch f├╝r den schlimmsten Aspekt an der ganzen Misere. Wie soll es jemals zu Ver├Ąnderungen kommen, wenn die Betroffenen sich auf diese Weise selbst permanent Stolpersteine in den Weg legen?

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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  5. Hall├Âchen Henry,
    Deine Meinung zur Papiertrulla kannte ich ja schon aus diversen BBF Diskussionen, aber trotzdem noch mal spannend, deine Meinung ausf├╝hrlich als Rezension zu lesen. Und du hast das wirklich sch├Ân geschrieben und gut begr├╝ndet. Ich hab das Buch ja (zum Gl├╝ck) nicht gelesen und kann daher wenig dazu sagen, aber es klingt wirklich gar nicht gut. Und das dieses Buch trotz des problematischen Frauenbildes und der Gewaltbereitschaft so gefeiert wird... bedenklich!
    Gut, dass du darauf aufmerksam machst und so einen Diskurs dar├╝ber anregst.
    Gute Idee ├╝brigens auch, wie du das mit den Spoilern machst. Mal sehen, ob ich das auch so in der Art auf meinem Blog hinbekomme. :)
    Ganz liebe Gr├╝├če, Julia

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    1. Liebe Julia,

      hihi, ja, ich habe mit meiner Meinung dort ja nicht hinterm Berg gehalten :D. F├╝r die Rezension habe ich aber versucht, sie ein bisschen weniger emotional zu formulieren.

      Das mit dem Abdecken des Textes hab ich mir von diesen geschw├Ąrzten Dokumenten abgeschaut - und ist mit ein bisschen CSS auch nicht schwer umzusetzen ;).

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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    2. ohoh, CSS, das klingt kompliziert! :O *ich, Technikniete, renne schreiend weg* ;D

      Und mit deiner Meinung solltest du nie hintern Berg halten. ;) Aber ich finde, du hast das perfekt gel├Âst. Die Tweets emotional und dadurch sehr unterhaltsam. Die Rezension etwas sachlicher und gut begr├╝ndet. Well done! ;)

      L├Âschen
    3. CSS: Halb so wild, kannst du alles mit dem Texteditor von Blogger umsetzen ;).

      Danke f├╝r dein Kompliment! Die emotionalen Rezensionen behalte ich mir ja f├╝r "Der Leseratz nagt an" vor :).

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

      L├Âschen