18. April 2017

Rezension Daniel Cole - Ragdoll

Das Cover ist ein echter Hingucker, kann man nicht anders sagen. Daher verwundert es nicht, dass ich sicher schon vor einem Monat oder l├Ąnger das erste Mal auf das Buch aufmerksam wurde ... Anfangs war ich aber noch unsicher, ob ich es wirklich lesen sollte. Bis ich die erste begeisterte Rezension von Janna auf KeJas-Blogbuch dazu entdeckte und mir dachte, okay, das Buch bekommt eine Chance :).

Zum Inhalt:


William Oliver Layton-Fawkes, kurz Wolf, arbeitet bei der Polizei in London. Nach seiner Suspendierung wegen eines fr├╝heren Falls kehrt der umstrittene Detective nach einer l├Ąngeren Pause in den aktiven Dienst zur├╝ck. Aber der Neustart wird von einer grausigen Entdeckung ├╝berschattet: Eine "Ragdoll" wird gefunden, eine Leiche, die aus sechs verschiedenen Leichenteilen zusammen gen├Ąht ist. Und der Killer ist noch nicht fertig, eine Liste mit weiteren Personen taucht auf, die sterben sollen. Der letzte Name darauf: Wolf selbst ...

Meine Meinung:


Ich gebe zu, ich war zu Beginn ein kleines bisschen skeptisch, was mich hier erwarten w├╝rde. Nicht jeder Thriller ist nach meinem Geschmack - vor allem stehe ich nicht auf die extrem blutigen Exemplare. Wer hier ├Ąhnlich wie ich gestrickt ist, den kann ich aber beruhigen. Ich wage sogar zu behaupten, dass sich der Roman au├čer bei den Schilderungen der Morde bzw. der T├Âtungsarten eher bei einem Krimi als bei einem Thriller bewegt.

Denn nach dem Auffinden der Ragdoll geht es erst einmal darum, die Ermittlungen aufzunehmen und weitere Details herauszufinden. Der Autor legt hier von Anfang an die Latte ziemlich hoch, zieht das Tempo ziemlich an. Gerade in den ersten Kapiteln ├╝berschlagen sich die Ereignisse erst einmal, ehe der Autor einen (kleinen) Gang zur├╝ckschaltet. Was die Spannung angeht, kann man sich meiner Meinung nach als Krimi- und Thriller-Fan nicht beklagen.

Der Schreibstil ist angenehm und fl├╝ssig, die 480 Seiten haben sich daher innerhalb k├╝rzester Zeit gut lesen lassen. Ein klein wenig ungew├Âhnlich ist der Humor, die der Autor einflie├čen hat lassen. Ich musste zwar nicht sehr h├Ąufig laut lachen, aber zumindest mehrere Male schmunzeln. Aber warum auch nicht? Es muss ja in Verbindung mit den Ermittlern nicht immer bierernst, gef├Ąhrlich und geheimnisvoll zugehen.

Kommen wir zu den Dingen, die mich in diesem Buch weniger angesprochen haben. Ganz oben auf dieser Liste befindet sich die Charakterisierung der einzelnen Figuren. Ich habe ja pers├Ânlich nichts gegen Stereotypen, weil sie mir vor allem am Anfang dabei helfen, eine Figur einzuordnen, aber hier ├╝bertreibt es der Autor f├╝r meinen Geschmack etwas.

Der ewig schlecht gelaunte Cop, der Einzelg├Ąnger, der sich an keine Regeln h├Ąlt, der Neue im Team, der sich erst bew├Ąhren muss und der ewig herumschreiende Chef - das hatten wir in der einen oder anderen Form schon einmal. Sch├Ân w├Ąre hier gewesen, wenn der Autor den Figuren eine gewisse Entwicklung mitgegeben h├Ątte. So nervten mich gegen Ende bestimmte Wiederholungen bei der Beschreibung nur noch ...

An verschiedenen Stellen der Handlungen konnte ich auch nicht anders, als innezuhalten und zu hinterfragen, warum bestimmte Dinge so geschahen, wie sie geschahen. Ohne zu spoilern hier ins Detail zu gehen, f├Ąllt etwas schwer, aber manche Entwicklungen habe ich einfach nicht verstanden. Ein Teil von mir h├Ątte hier permanent Lust gehabt, Wolf und seinem Team zuzurufen "Macht das doch anders, um dem Killer ein Schnippchen zu schlagen".

Dar├╝ber hinaus habe ich den Fehler gemacht, das Lesetempo im letzten Drittel zu sehr anzuziehen. Nach einer abschlie├čenden Diskussion auf Twitter stellte ich n├Ąmlich fest, dass ich bestimmte Details, die f├╝r die Aufl├Âsung wichtig waren, beim ersten Lesen zwar bemerkt, aber nicht richtig wahrgenommen hatte. Erst beim zweiten Lesen konnte ich verschiedene Puzzle-Teile zuordnen, die den Schluss im Nachhinein etwas runder erscheinen lie├čen. Geblieben ist aber mein Gef├╝hl, dass das Finale f├╝r meinen Geschmack etwas zu ├╝berhastet stattfand.

Trotz dieser Kritikpunkte hat mir dieser erste Roman aus einer bereits angek├╝ndigten Reihe durchaus gefallen. Das Ende macht auf jeden Fall neugierig, wie es weitergehen wird. Und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der Autor in den Folgeb├Ąnden die Schw├Ąchen dieses ersten Bandes ausmerzen wird.

Mein Fazit:


"Ragdoll" ist das Deb├╝t des britischen Autors Daniel Cole, das durchaus rasant und spannend geschrieben ist, an manchen Stellen in meinen Augen aber noch Schw├Ąchen bei den Figuren und dem Handlungsaufbau aufweist. Das Ende macht allerdings neugierig auf die geplanten Nachfolge-B├Ąnde.

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 480 Seiten
  • Ullstein
  • 978-3548289199

6 Kommentare

  1. Ich finde, Du hast das Buch gut charakterisiert. Deine Kritikpunkte kann ich nachvollziehen, aber ich sehe es ├Ąhnlich wie Du - das Deb├╝t ist gelungen und da viel Potential da ist, freue ich mich auch auf weitere B├Ąnde.
    Meine ausf├╝hrliche Rezension gibt's ├╝brigens morgen.

    LG Gabi

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    1. Liebe Gabi,

      danke f├╝r Kompliment! Dann bin ich mal gespannt, was du zu dem Buch schreiben wirst :).

      Beste Gr├╝├če
      Ascari

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  2. Huhu Ascari,

    ich bin bisher nur etwa 140 Seite gelesen, aber ich kann deine Kritikpunkte jetzt schon nachvollziehen! Bei Wolf dachte ich mir dauernd, dass das genau der Typ Ermittler ist, den Bruce Willis in j├╝ngeren Jahren wahrscheinlich in einer Verfilmung gespielt h├Ątte: der taffe Einzelg├Ąnger, der sich notfalls auch durchpr├╝gelt. Dass Wolf tats├Ąchlich nur eine Suspendierung bekommt, nach dem, was er versucht hat, fand ich nicht sehr glaubw├╝rdig.

    Aber ich finde das Buch trotzdem sehr unterhaltsam und auch spannend! Vor allem will ich immer wissen, wie der T├Ąter es wohl hinkriegen wird, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen an die Opfer ranzukommen.

    Ich gebe jetzt mal einen Tipp ab: ich rechne damit, dass er alle Opfer bis auf Wolf erwischen wird und ihn Wolf dann in einem Showdown umbringt. (Mal schauen, wie sehr ich damit danebenliege!)

    LG,
    Mikka

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    1. Liebe Mikka,

      hihi, der Vergleich hat was :). Und Bruce Willis w├Ąre sicher sehr gut geeignet, sollte das Buch jemals verfilmt werden :D.

      Zum Finale: Meine Lippen sind versiegelt ;).

      Viel Spa├č beim Lesen!
      Ascari

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  3. Hey Ascari! "Ragdoll" h├Ârt sich richtig gut an! Eine tolle Rezension, ich werde demn├Ąchst in der Buchhandlung die Augen danach offen halten:) dein Blog gef├Ąllt mir auch sehr gut, hier bleibe ich gerne als Leserin. Wenn du magst, kannst du ja auch mal auf meinem Blog vorbeischauen www.pantaubooks.wordpress.com:) Ich w├╝rde mich ├╝ber deinen Besuch freuen!
    Liebe Gr├╝├če Svenja

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    1. Hi Svenja,

      das Buch kannst du in der Buchhandlung gar nicht ├╝bersehen, glaub mir. Mit dem Cover ;). Viel Spa├č beim Lesen!

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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