Rezension Dan Vyleta - Smoke

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch bereits durch eine Leserunde bei Lovelybooks, so richtig erwischte mich die Neugier allerdings, als ich vom Verlag ein Mail erhielt mit einigen Presseinformationen ...

Zum Inhalt:


"Smoke" spielt im viktorianischen England - mit einem großen Unterschied: Die Menschen beginnen zu rauchen, wenn sie aus irgendeinem Grund schlechte Dinge tun oder denken. Für Charlie und Thomas, die zu jener Zeit in einem englischen Internat unterrichtet werden, ist es ganz normal, jederzeit darauf zu achten, möglichst wenig Rauch zu produzieren. Eines Tages entdeckt Charlie bei einem Schulausflug jedoch einen Mann, der nicht raucht. Diese Erkenntnis stellt für die Freunde alles bisher Gelernte auf den Kopf und sie wollen diesen Geheimnissen auf den Grund gehen ...

Meine Meinung:


Der Klappentext machte ich mich ehrlich gestanden sofort neugierig - und das, obwohl auch im englischsprachigen Raum die Bewertungen für dieses Buch recht unterschiedlich ausgefallen sind. Diese Mischung aus Phantastischem und alternativer Geschichte war einfach zu verführerisch, als dass ich zu diesem Angebot Nein sagen konnte.

Der Anfang war für mich auch noch total faszinierend. Das Leben mit dem Rauch ist für die Menschen ganz normal, auch wenn niemand eigentlich so genau weiß, warum der Rauch da ist und warum er immer wieder andere Formen und Farben annimmt. Angefangen bei hellgrauem, dampfähnlichen Rauch bis zu pechschwarzem, öligem Ruß ist alles dabei. Die Menschen geben diesen Rauch über ihre Körperöffnungen ab und können dies nicht unterdrücken, es sei denn, es gelingt ihnen, ihre negativen Emotionen zu kontrollieren.

Dieses Setting bot gleich am Anfang Platz für mehrere spannende Fragen: Woher kommt der Rauch? Gab es ihn schon immer? Und warum gibt es Menschen, die nicht rauchen? Charlie und Thomas stellen diese Dinge anfangs nicht in Frage, bis Charlie zum ersten Mal jemanden sieht, der nicht raucht. Verständlich, dass hier auch der Leser neugierig wird und sich nur allzu bereitwillig mit den beiden auf eine Reise begibt, um herauszufinden, was hier abläuft.

Der Autor macht es einem dabei einfach, in diese bekannte und zugleich unbekannte Welt einzutauchen, da er sich Zeit nimmt, die Geschichte zu entwickeln. Der Rauch steht fast sinnbildlich für eine Gesellschaft, die lügt, betrügt, mordet und stiehlt. Menschen sind bereits nach der Geburt erst einmal schuldig und müssen danach streben, sich zu verbessern. Nicht zuletzt dank der Protagonisten bleibt die Hoffnung auf eine bessere Welt, da die Dinge offensichtlich nicht so zu sein scheinen, wie man es bisher gedacht bzw. geglaubt hat.

Auch den Schreibstil und den Wechsel von der dritten Person in die erste für einzelne Figuren fand ich durchaus interessant. Der Autor versteht es, seine Welt sehr bildhaft in Szene zu setzen, die Zeitreise in diese Welt fiel mir daher wirklich einfach. London als düsterer Ort, wo mehr Unheil als sonstwo auf der Welt geschieht - das hat der Autor wirklich phantastisch rübergebracht.

Umso bedauerlicher, dass mich das Buch am Ende doch noch "verloren" hat. Denn ab dem letzten Drittel etwa konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum die Figuren bestimmte Dinge getan haben. Auch wenn die Perspektive immer wieder wechselt, fehlte mir der Zugang, das Verständnis. Einzelne Personen waren auf einmal unvorstellbar grausam, fielen sogar dem Wahnsinn anheim. Warum, hat sich mir einfach nicht erschlossen.

Aus demselben Grund wurde ich auch mit dem Schluss nicht so wirklich warm, denn obwohl ich den Plottwist an dieser Stelle durchaus mochte, erschloss er sich mir nicht, ich habe ihn schlicht und einfach nicht verstanden. Daher blieb ich nach dem Zuklappen des Buches zum Teil ratlos, zum Teil unbefriedigt zurück. Warum? Ich hatte das Gefühl, im Regen stehen gelassen worden zu sein, was die Antwort auf einige Fragen anging. Nicht jede Frage braucht für mich eine Antwort, aber wenn ich das Gefühl habe, dass die wichtigste von allen offen geblieben ist, dann gefällt mir das nicht.

Mein Fazit:


"Smoke" startet unheimlich stark, driftete aber im letzten Drittel für meinen Geschmack zu weit ab, um mich wirklich bis zum Schluss bei der Stange zu halten. Das tolle Setting und der bildhafte Schreibstil konnten dies leider nur zum Teil kompensieren.

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