Welche Bücher ich (meistens) meide

Die meisten von uns haben ihre Lieblingsgenres, ganz klar. Logischerweise sprechen und schreiben wir deswegen auch sehr, sehr gern über sie. Aus diesem Grund habe ich mir überlegt, das Ganze einmal von der anderen Seite her zu beleuchten - sprich: über die Genres zu schreiben, die sich bei mir nie oder nur ganz selten finden ...


Denn seien wir einmal ehrlich: Auch wenn ich gerne betone, dass ich eine Querbeet-Leserin bin, gibt es doch auch Bücher, die ich nie und nimmer in die Hand nehmen werde, weil sie mir aus den unterschiedlichsten Gründen nicht liegen. Da können sie gehypt werden bis zum Umfallen, ich werde sie trotzdem nicht lesen.

Horror-Romane


Ganz oben auf dieser Liste steht das Horror-Genre. In der Hinsicht war ich meistens konsequent, weil ich auch Horror-Filme immer gemieden habe ... Mein Unterbewusstsein sorgt in meinen Albträumen schon so für genügend Horror, da braucht es diesen Input nicht noch extra. Und ja, da lebt das Sensibelchen in mir auf und in Kombination mit der Eigenschaft, die Geschichten der Protagonisten quasi mitzuerleben, leide ich ziemlich mit.

Wobei ich fairerweise einräumen muss, dass es nicht immer ganz leicht ist einzustufen, was ich als Horror empfinde und was nicht. Viele Mystery- oder Gruselgeschichten haben Horror-Elemente - damit kann ich aber meist gut leben. Genauso auch Thriller. Es ist also nicht immer ganz eindeutig, was ich für mich persönlich schon als zu viel empfinde und was nicht.

Manche Autoren haben sich aus diesem Grund noch nicht sehr oft zu mir verirrt, wie beispielsweise Stephen King. Obwohl viele seiner Romane mittlerweile als Klassiker gelten und ich einige Fans kenne, meide ich seine Bücher großteils - ich habe nur "Die Arena" (wegen der TV-Serie "The Dome") und "Dead Zone" (auch wegen der gleichnamigen TV-Serie) von ihm gelesen. Da konnte ich mir relativ sicher sein, was mich erwarten und dass ich das packen würde :).

Blutige Thriller


Das Sensibelchen hat irgendwann auch einmal eine Grenze aus den gleichen Gründen bei den Thrillern gezogen. Bestimmte Autoren gehen mir persönlich einfach zu viel ins Detail, was die Beschreibung von Folterungen, Verstümmelungen und anderen grausigen Dingen angeht. Natürlich geht es nicht ohne Blut, Mord und Totschlag, aber ich mag es nicht, wenn sich der Autor in dem verliert, was jemandem angetan wurde. Ich stelle mir das meist viel zu plastisch vor, daher lese ich solche Bücher nicht mehr sehr oft oder überblättere entsprechende Stellen dann auch.

Was ich auf jeden Fall beobachtet habe, ist, dass die blutigen Thriller seit etwa zehn Jahren am Vormarsch sind. Ich weiß nicht, ob ich mir das einbilde, aber ich habe das Gefühl, dass es früher nicht so viele Geschichten aus diesem Bereich gegeben hat ... Stumpfen wir in dieser Hinsicht immer mehr ab, dass es notwendig wird, die Brutalitäten immer mehr zu steigern, um eine emotionale Reaktion zu provozieren?

Wie auch immer: Für mich sind gute Thriller solche, die die Angst im Kopf entstehen lassen. Die auf bestimmte Dinge verzichten, sie nicht beschreiben und den Rest der Phantasie überlassen. Das Kopfkino ganz bewusst aktivieren mit der Frage, was passiert sein könnte. Ein gutes Beispiel für diese Art Thriller ist meiner Meinung nach Andreas Gruber, der sehr gekonnt mit diesem Nicht-Wissen spielt (und natürlich seinem "Grumpy Cat"-Ermittler Maarten S. Sneijder 😄).

Reine Liebesromane


Ach ja, die Liebe. Gibt es eigentlich Statistiken oder Aufzeichnungen, wie viele Bücher es gibt, in die mal mehr, mal weniger eine Liebesgeschichte eingeflochten wurde? Das wäre ja mal interessant, wie hoch der Anteil im Bereich Belletristik wirklich ist. Und dann müsste man noch einmal auswerten, wie hoch der Anteil mit Happy-Ends ist ... Wenn ich raten sollte, liegt er bestimmt bei 90 Prozent. Was auch irgendwie nachvollziehbar ist, denn wenn wir uns in andere Welten träumen wollen, wollen wir ja nicht erleben, dass es schlecht ausgeht.

Darin liegt meiner Meinung nach aber auch genau das Problem. Reine Liebesromane sind in den meisten Fällen vorhersehbar, wenn man an das Ende denkt. Daher muss schon der Weg zur großen Liebe irgendwie spannend verpackt sein, ansonsten greife ich nicht zu Liebesgeschichten. Es passiert zwar schon immer wieder mal, dass Bücher aus diesem Bereich bei mir landen, aber es geschieht selten. Wenn Liebe, muss sie bei mir mit irgendetwas verknüpft sein, einer Art Abenteuer, die die Figuren - und damit auch mich - auf Trab hält und in deren Verlauf sich die Protagonisten verlieben.

Was mich persönlich auch eher abstößt, ist das Gefühl, wenn der Autor absichtlich auf die Tränendrüse drückt. Wenn es für mich einfach zu gewollt ist, dass die Figuren Schicksalsschläge erlebt haben und diese nun überwinden müssen, um glücklich zu werden. Gerade im Jugendbuch-Bereich ist das ja im Moment sehr beliebt, wirkt auf mich aber häufig einfach nur noch übertrieben. Die Wirklichkeit sieht wahrscheinlich im Vergleich eher langweilig aus, ist aber natürlich nicht so gut geeignet, um mit den Figuren mitzuleiden.

"Literarische" Romane


Okay, ich gebe es zu, was meinen Lesegeschmack angeht, bin ich relativ einfach gestrickt. Ich lese, um mich unterhalten zu lassen - meistens. Ich möchte Geschichten, die es mir erlauben, abzuschalten, mich zu entspannen und ein paar Stunden gefühlt in die Haut der Protagonisten zu schlüpfen. Sie auf ihrem Abenteuer ein Stück zu begleiten, ihnen dabei über die Schulter zu schauen. Was ich aber nicht mag, sind Bücher, die ich nicht verstehe. Die mich ratlos zurücklassen, wo ich das Gefühl habe, dass ich nicht verstanden habe, was sie mir sagen wollten.

Viele dieser Bücher sind in dem Bereich zu finden, der von der Literatur-Szene als Kunst bejubelt wird. Wahrscheinlich kommt hier wahrscheinlich genau derselbe Ansatz zum Tragen, der mich auch an modernen Gemälden, Skulpturen und anderen Kunstwerken verzweifeln lässt: Ich verstehe sie nicht. Verstehe nicht, was an dem Buch oder Bild oder was auch immer Kunst sein soll. Im Museum ist das aber einfacher, da bin ich im Vergleich nicht so lange damit beschäftigt wie mit einem Buch.

Es ist nicht so, dass ich "literarischen" Büchern keine Chance geben will - ganz im Gegenteil. Ich nehme immer wieder mal Anläufe, in neue Genres hineinzuschnuppern und gewohnte Lesebahnen zu verlassen, aber viele Bücher machen es mir schwer. Weil ich keinen Zugang zu ihnen finde und dann erst wieder mit Querlesen und Überblättern anfange auf der Suche nach etwas, was ich verständlich und nachvollziehbar finde.



So, das wäre er mal, mein Versuch, ein wenig zu dokumentieren, welche Bücher und Genres sich eher selten oder gar nicht zu mir verirren. Wie sieht es bei euch aus, welche Geschichten sagen euch nicht so zu?

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